Schulprojekt VIA2018 School
VIA2018 ist ein Bildungs- und Kreativitätsprojekt, das an mehreren Schulen der Euregio durchgeführt wird. Das Projekt ist eine Adaption und weitere Entwicklung von einem vor einigen Jahren für Linz09 entwickelten Konzept. Das project wirt geleitet von Airan Berg. International renommierte Künstler arbeiten dabei gemeinsam mit ortsansässigen Künstlern und Lehrkräften an Kunst- und Kulturprojekten.
Die Jugendlichen, die jetzt noch zur Schule gehen, sind die Kulturträger von morgen. Die heutige Schuljugend ist der logische Partner der Kulturhauptstadt 2018. Diese Zielgruppe ist wichtig zur Schaffung eines tragfähigen Fundaments für die Kulturhauptstadt. Jugendliche müssen für Kunst und Kultur mobilisiert werden.
Das Schulprojekt ist kein typisches Kunstprojekt. Es will die Kreativität im Unterricht fördern und macht Gebrauch von den Künsten. Kreativität soll einen ebenso wichtigen Platz im Unterricht erhalten wie beispielsweise das Rechnen und die Sprache.
Das Projekt wurde am 3. Januar 2011 gestartet und wird an Primar- und Sekundarschulen in Heerlen/Parkstad, der Stadt Aachen, der Regio Aachen, in Lüttich, Hasselt, Sittard-Geleen, Maastricht und Eupen durchgeführt. Der Abschluss ist für den Herbst geplant. Die ersten beiden Schulen, die am Projekt teilnehmen, sind zwei Heerlener Grundschulen, die AZC School „De Piramide“ und die Freinetschool „De Piramide“.
Kunst braucht keine Sprache.
Direktorin Thea Penders, Freinetschool Heerlen sagt dazu:
„Für uns ist dies eine einzigartige Gelegenheit, mit den Kindern in intensiver Form kreativ zu arbeiten, denn bei diesem Projekt werden die individuellen Eigenheiten der Kinder angesprochen. Ich beobachte, wie sie sich erst wundern und dann die Chance wahrnehmen, ihre persönliche Geschichte darzustellen. Obwohl wir noch am Anfang stehen, ist es sehr spannend zu verfolgen, wie energisch und begeistert sie mitarbeiten und wie ihre Gesichter strahlen. Auffallend ist, dass die sprachliche Verständigung keine Rolle spielt. Die Künstlerin Martina Winkel spricht kein Niederländisch, vermag aber dennoch alle Kinder zu fesseln. Kunst braucht keine Sprache, das wird wieder einmal bewiesen!“
Reaktion von Heike Schwarzbauer aus Julich:
Lieber Airan,
Ich danke dir von ganzem Herzen für das hervorragende Projekt, das bestimmt Wunder für die Persönlichkeitsentwicklung unserer Schülerinnen und Schüler gewirkt hat.
Ich bin sehr begeistert von der spürbaren Intensität, mit der sie dieses Projekt miterlebt haben.
Du hast wunderbar motiviert, arrangiert, individuell gefördert, begeistert und eine sehr gute Hand in der Auswahl der Künstler bewiesen.
Bitte sag‘ auch den beiden noch einmal meinen herzlichen Dank und bitte bestelle auch Guido meinen großen Dank und viele Grüße.
Heike
Kreatives Schulprojekt aus der Maastrichter Ideeenschmiede
Jülich. Die Stühle im Computerraum haben die Jugendlichen des Berufskollegs Jülich im Kreis aufgestellt. Jetzt hocken sie erwartungsvoll davor auf dem Boden. Viermal klopft Wouter Gulikers auf die Sitzfläche, die Schüler machen es ihm nach.
Zweimal auf die Sitzfläche, zweimal auf die Lehne. Die Kombinationen werden immer komplizierter. Manchmal muss der Stuhl seine Position ändern, steht plötzlich auf dem Kopf. Klopfen, schlagen, kratzen, klatschen - auf die Lehne, auf die Stuhlbeine, in die Hände, sogar auf die Schulter des Nachbarn. Es entsteht ein hypnotisierender Rhythmus, das Klangschauspiel versetzt die Zuhörer beinah in Trance. Dann ist alles vorbei. Die Schüler applaudieren für sich, für ihre Mitschüler und den Vortrommler.
Das kreative Schulprojekt Via2018 wurde vom Büro um die Kandidatur Maastrichts zur Kulturhauptstadt 2018 entwickelt und nun auch am Berufskolleg Jülich umgesetzt. Airan Berg, darstellender Künstler, sowie die Niederlander Wouter Gulikers, Percussionist, und Robin Coops, Videokünstler, arbeiteten acht Wochen lang, etwa sechs bis acht Stunden pro Woche mit den Schülern zusammen. «Ich möchte betonen, dass das kein Kunstprojekt ist. Wir wollen viel eher einen positiven Virus ins Bildungssystem verpflanzen», sagt Airan Berg. Mit dem «positiven Virus» meint er eine Veränderung des Bildungssystems, in dem schöpferische Tätigkeiten genauso gefördert werden, wie Sprachen oder Mathematik. Den Jugendlichen solle Mut gemacht werden, ihre Kreativität zu nutzen und damit ihre Individualität auszudrücken. «Jeder Mensch ist kreativ. Es wäre schade, dieses menschliche Potenzial zu ignorieren.»
Aus der Reserve locken
In einem 21-minütigen Film zeigten die Künstler und Schüler, was sie in acht Wochen geschaffen hatten. «Ich habe nur den Rahmen vorgegeben, wie die Jugendlichen die Zeit nutzen wollten, war größtenteils ihnen überlassen.» Bei der Klasse handelte es sich um eine einjährige Handelsklasse im Bereich Wirtschaft und Verwaltung. Um sie aus der Reserve zu locken stellte Airan Berg zu Beginn eine Aufgabe: Bringt etwas mit, das euch wichtig ist. «Dabei haben sie ganz neue Facetten ihrer Mitschüler kennen gelernt.» Diese Seiten zeigt auch der Film auf. Da war die Kette der besten Freundin, der Sport, die Geschichte vom Krieg und von der Flucht aus Libanon, ein ganz bestimmtes Lied oder die Leidenschaft zur Fotografie. Simon Schmitz brachte einen Zeitschriftenartikel über ein schwarzes Motorrad mit, über das die Klasse kurzerhand ein Lied schrieb. Simon, der in seiner Band «Highway of Sorrows» den Bass spielt, unterstützte die Musikeinlagen mit seiner Gitarre. «Ich würde sofort noch mal beim Projekt mitmachen. Man konnte mal endlich dem Alltag entfliehen und sich ausleben und entfalten», lautet sein Fazit.
Richtig klasse
«Manche Schüler haben auch erst im Laufe der Zeit ihre Stärken und Talente erkannt. Ein Schüler kam eines Tages mit einem selbst geschriebenen Lied. Die Jugendlichen fanden das richtig klasse», sagt Airan Berg. Dieses Lied und die dazugehörige Schauspieleinlage präsentierten die Schüler nach der «Weltaufführung» ihres Films sehr engagiert.
«Es ist ganz deutlich geworden, dass diese kreativen Gestaltungsprozesse zur Persönlichkeitsbildung junger Menschen beitragen», sagt Schulleiterin Heike Schwarzbauer, nachdem sie den Film gesehen hat. Auch der Umgang untereinander habe sich durch das gemeinsame Musizieren und das einander Öffnen verändert. «Beim Musizieren muss man einander zuhören und aufeinander achten. Die Schüler gehen heute viel respektvoller miteinander um, als noch vor acht Wochen», sagt Berg. Bezüge zu Unterrichtsthemen hätten sich fast von selbst ergeben. «Jemand hat ein Lied mitgebracht, in dem ein dunkelhäutiger Vater sagt, sein Sohn habe nur weiße Vorbilder. Schon haben wir über Rassismus gesprochen.» Auch bei Nadine Fürgut und Sabrina Weber kam das Konzept gut an. «Das ist schon echt traurig, wenn man nach acht Wochen wieder auseinandergeht», sagt Sabrina und nutzt das letzte Treffen für ein Foto mit «ihren» Künstlern.